
Energie-effizientes Smart Home: Mit Home Assistant und KNX mehr aus der Photovoltaikanlage herausholen
PV-Anlage auf dem Dach, aber der Strom fließt hauptsächlich ins Netz.
Das kennen viele Hauseigentümer: Der Wechselrichter produziert tagsüber Überschuss, während Waschmaschine, Heizung und Wallbox zu Zeiten laufen, an denen wenig oder kein Solarstrom vorhanden ist.
Was fehlt, ist das Bindeglied zwischen Stromerzeugung, Verbrauch und Speicher.
Warum Photovoltaik allein nicht autark macht
Eine PV-Anlage erzeugt Strom, wenn die Sonne scheint. Ihr Haushalt verbraucht Strom, wenn er gebraucht wird. Diese beiden Kurven passen selten zusammen.
Ohne aktives Management landet ein großer Teil des erzeugten Stroms im Netz. Die Einspeisevergütung liegt dabei weit unter dem Bezugspreis. Wer den Eigenverbrauchsanteil steigern will, braucht ein System, das Verbraucher dann aktiviert, wenn Überschuss vorhanden ist.
Die folgende Grafik zeigt den Unterschied:
Vergleich: PV-Anlage ohne vs. mit Speichersystem
Links (ohne Speicher): Der erzeugte Solarstrom (orange Kurve) übersteigt den Eigenverbrauch (grüne Fläche) deutlich. Der Überschuss fließt ins Netz. Morgens und abends — wenn der Verbrauch hoch ist, aber keine Sonne scheint — muss Strom teuer zugekauft werden (dunkle Flächen).
Rechts (mit Speicher): Der Überschuss wird in der Hausbatterie zwischengespeichert. Abends entlädt sich die Batterie und deckt den Verbrauch aus eigener Produktion. Der Netzbezug sinkt auf ein Minimum.
Das Ziel von Lademanagement ist genau dieser Übergang: vom linken zum rechten Szenario.
Lademanagement: Was das in der Praxis bedeutet
Lademanagement bedeutet: Verbraucher werden nicht nach Zeitplan geschaltet, sondern auf Basis aktueller Produktions- und Verbrauchsdaten. Wenn eine Hausbatterie im Spiel ist, wird auch deren Ladezustand mit einbezogen.
Typische gesteuerte Lasten:
Wallbox: E-Auto laden, wenn PV-Überschuss vorhanden ist
Wärmepumpe oder Heizung: Vorheizkurven an prognostizierte Sonnenstunden anpassen
Hausbatterie: Mit Überschuss laden, in Verbrauchsspitzen entladen
Das Ziel: Eigenproduzierten Strom im Haus verbrauchen, statt ihn günstig ins Netz abzugeben und teurer zurückzukaufen.
Home Assistant als Schaltzentrale für PV, KNX und IoT
Home Assistant ist eine weit verbreitete Open-Source-Plattform für Smart Home und Gebäudeautomation. Für diesen Anwendungsfall besonders relevant: Die Plattform versteht gleichzeitig mehrere Protokolle.
KNX-Geräte im Bestand, ein Wechselrichter mit Modbus-Schnittstelle, eine Wallbox per Modbus oder herstellereigener Integration, eine Hausbatterie über MQTT. Für diese Gerätetypen gibt es jeweils eigene Home-Assistant-Integrationen. Alle Datenpunkte landen in einem gemeinsamen Datenmodell, auf das Ihre Automationen direkt zugreifen können.
Für Bestandsinstallationen ist die KNX-Integration besonders interessant. Gruppenadressen lassen sich direkt ansprechen. Ein Aktor, der bislang nur manuell oder nach Zeitplan schaltet, kann so auf den aktuellen Solarertrag reagieren.
Wo KI ins Spiel kommt
Der Begriff KI ist in diesem Kontext weit gefasst. Gemeint sind meistens regelbasierte Automationen, die durch Vorhersagemodelle ergänzt werden.
Konkret bedeutet das:
Wetterbasierte Prognosen: Integrationen wie Solcast (über HACS) liefern stundengenaue PV-Ertragsprognosen für den nächsten Tag — abhängig vom API-Limit des Anbieters mit mehreren Aktualisierungen pro Tag. Home Assistant kann Ladeprozesse damit vorausschauend planen, nicht nur reaktiv steuern.
Verbrauchsmuster: Aus historischen Daten kann das System erkennen, wann typischerweise Verbrauchsspitzen auftreten, und plant Ladevorgänge entsprechend vor.
Dynamische Stromtarife: In Kombination mit dynamischen Tarifen (zum Beispiel Tibber oder Awattar) wird nicht nur nach PV-Ertrag, sondern auch nach Börsenstrompreis optimiert.
Das Ergebnis: Das System entscheidet nicht nach einem festen Zeitplan, sondern auf Basis von aktuellem Solarertrag, Prognose, Speicherstand und Strompreis gleichzeitig.
Eine Automation zum Einsteigen: Auto laden, wenn die Bedingungen stimmen

Ein einfacher Einstieg in diese Automation könnte folgendes Szenario sein: Ihr Auto soll nur dann laden, wenn die Sonne genug produziert und der Hausspeicher bereits gut geladen ist. So geht das Laden des Autos nicht auf Kosten des Hausspeichers.
Die Logik dahinter lässt sich in zwei simplen Regeln zusammenfassen:
Regel 1: Wallbox einschalten
Das Auto soll laden, wenn alle folgenden Bedingungen gleichzeitig für mindestens 5 Minuten erfüllt sind:
PV-Überschuss liegt über 1.500 Watt
Batteriespeicher ist zu mindestens 80 % geladen
Es ist zwischen 7:00 und 20:00 Uhr
Die Wallbox ist aktuell ausgeschaltet
Regel 2: Wallbox ausschalten
Das Laden stoppt, wenn eine der folgenden Bedingungen für mindestens 5 Minuten zutrifft:
PV-Produktion fällt unter 1.000 Watt
Batteriespeicher sinkt unter 65 %
Auto-Batterie ist zu 95% geladen
Warum diese Werte?
Zwei unterschiedliche Schwellenwerte (80 % ein / 65 % aus): Der Abstand verhindert, dass die Wallbox bei kleinen Batterieschwankungen ständig an- und abschaltet. Ohne diesen Puffer würde das System beim Batteriestand von genau 80 % im Sekundentakt reagieren.
5 Minuten Verzögerung: Wolkendurchzüge können die PV-Produktion kurz unter den Schwellenwert drücken. Ohne Verzögerung würde die Wallbox bei jedem Wölkchen stoppen und kurz danach wieder starten. Die Wartezeit macht das Verhalten deutlich ruhiger.
In Home Assistant lässt sich diese Logik als Automation umsetzen. Von hier aus können Sie erweitern: Mindestladezeit definieren, Solcast-Prognosen als zusätzliche Bedingung einbeziehen oder bei dynamischen Tarifen (Tibber, Awattar) zusätzlich nach Börsenstrompreis steuern.
HIER BILD EINFÜGEN EnergyFlow.mp4 / Energyflow.gif
Voraussetzungen für den Aufbau
Für diesen Aufbau brauchen Sie:
PV-Anlage mit auslesbarer Schnittstelle (Modbus, SunSpec oder Hersteller-API)
Home Assistant auf einem dedizierten Gerät (z. B. Home Assistant Yellow / Green, Raspberry Pi 5, Intel NUC oder eine VM auf NAS / Server)
KNX-Installation mit passenden Gruppenadressen für die zu steuernden Aktoren
Optional: Hausbatterie, Wallbox, Wärmepumpe
HomeCockpit als Visualisierungszentrale
Wer sieht, wie viel Strom gerade produziert und verbraucht wird, trifft bessere Entscheidungen. Das gilt für Sie als Betreiber genauso wie für Ihre Mitbewohner.
Das HomeCockpit-Touchpanel bietet sich als zentraler Anzeigeort an. Über den integrierten Browser lassen sich Dashboards dauerhaft sichtbar machen: Aktuelle Einspeisung, Speicherstand, Eigenverbrauchsquote, Prognose für den Tag.
In der empfohlenen Architektur läuft Home Assistant auf einem dedizierten Gerät — etwa einem Home Assistant Yellow, einem Intel NUC oder als VM auf NAS oder Server. Das HomeCockpit-Panel ist der Client und zeigt die Dashboards im Browser, während es gleichzeitig als zentrale Bedienoberfläche dient. Der Vorteil dieser Trennung: Updates oder Neustarts am Anzeigegerät unterbrechen die Hausautomation nicht — und umgekehrt. Die Panels der Excelsior- und ExcelsiorPLUS-Serie hätten zwar genug Leistung, um Home Assistant parallel zur Visualisierung mitlaufen zu lassen, in der Praxis ist die saubere Server/Client-Trennung aber der robustere Aufbau.
Fazit
Wenn Sie bereits eine PV-Anlage und KNX-Geräte im Haus haben, ist die Grundlage für echtes Energiemanagement gelegt. Home Assistant kann beides verbinden und aus statischen Zeitplänen dynamische, prognosebasierte Automationen machen. Das Touchpanel zeigt das Ergebnis und steuert aktiv mit.
Vollständige Autarkie ist in den meisten Einfamilienhäusern nicht realistisch. Ein deutlich höherer Eigenverbrauchsanteil schon.
Häufige Fragen zum Lademanagement mit Home Assistant und KNX
Kann Home Assistant direkt mit KNX kommunizieren? Ja. Home Assistant bietet eine native KNX-Integration, die direkt auf Gruppenadressen lesen und schreiben kann. Voraussetzung ist ein KNX/IP-Interface oder KNX/IP-Router im lokalen Netzwerk.
Welche PV-Wechselrichter sind mit Home Assistant kompatibel? Die meisten verbreiteten Hersteller werden unterstützt: SMA, Fronius, SolarEdge, Huawei, Sungrow und viele weitere über Modbus, SunSpec oder herstellereigene APIs. Für die vollständige Integrationsliste empfiehlt sich die offizielle Home-Assistant-Dokumentation.
Sollte Home Assistant direkt auf dem HomeCockpit-Touchpanel laufen? Technisch möglich ist es: Die Excelsior- und ExcelsiorPLUS-Panels haben unter Windows 11 Pro genug Leistung, um Home Assistant als Hyper-V-VM oder Docker-Container parallel zur Visualisierung zu betreiben. In der Praxis empfehlen wir aber einen anderen Aufbau: Home Assistant läuft auf einem dedizierten Gerät (z. B. Home Assistant Yellow, Intel NUC oder einer VM auf NAS / Server) und das HomeCockpit-Panel zeigt die Dashboards im Browser. Der Vorteil: Server und Anzeigegerät sind entkoppelt — Updates, Neustarts oder Wartung am einen Gerät unterbrechen nicht das andere. Genau die Trennung, die in einer KNX-Anlage zwischen IP-Router und Visualisierung ohnehin Standard ist.
Was ist der Unterschied zwischen Lademanagement und einfacher Zeitsteuerung? Zeitsteuerung schaltet Geräte zu festen Uhrzeiten. Lademanagement reagiert auf Echtzeitdaten: Wechselrichterertrag, Speicherstand, aktuellen Verbrauch und Prognose. Das Ergebnis ist ein deutlich höherer Eigenverbrauchsanteil, weil das System flexibel auf die tatsächliche Situation reagiert.
Gibt es Alternativen zu Home Assistant für PV-Überschussladen? Für das reine Überschussladen an der Wallbox ist evcc (EV Charge Controller) eine verbreitete Alternative. Für den umfassenderen Ansatz mit KNX-Integration, Batterie und Heizungssteuerung ist Home Assistant die flexiblere Lösung.
HomeCockpit konfigurieren oder beraten lassen
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